Sportökonomie: Deutschlands Sportpolitik

Deutschlands Sportpolitik und Sportförderung werden oft kontrovers diskutiert. Aus sportökonomischer Sicht argumentieren einige für Reformen. Vor allem die Struktur um den DOSB sei veraltet.


Grundsätze der deutschen Sportpolitik

Deutschlands Sportpolitik unterliegt dem Prinzip: „Sport ist gut!“ Ziel ist, eine Grundversorgung mit Sport sicherzustellen und damit das Gemeinwohl der Bevölkerung zu steigern. Die Sportpolitik wird damit also zur Sportförderpolitik. Trotz eines partnerschaftlichen Verhältnisses soll dabei stets beachtet werden, dass Sport und Politik jeweils autonom agieren.

Wie greift der Staat also in den Sportmarkt ein?

In der Theorie kann der Staat mithilfe von Regulierungen oder Subventionen in den Markt eingreifen. Dabei kann einerseits die Marktstruktur, das Marktverhalten oder das Marktergebnis reguliert werden. Subventionen können andererseits direkt (als Real- oder Finanzsubventionen) oder indirekt (an Vereine und Verbände) organisiert werden.

In der deutschen Sportpolitik kommen für finanzielle Unterstützung nur jene Akteure in Frage, die im Dachverband Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) organisiert sind. Das stellt eine Regulierung der Marktstruktur dar, da so bestimmt wird, wer in den Markt eintreten darf. Kommerzielle Anbieter dürfen das dann zum Beispiel nicht.

Da der DOSB wiederum einige Marktbeschränkungen verfolgt, reguliert er auch das Marktverhalten. Das Marktergebnis wird außerdem durch die Berichterstattung um öffentlich-rechtlichen Rundfunk beeinflusst.

Für die Subventionierung von Sport existiert in Deutschland kein eigenes Ministerium. Vielmehr wird sie nach dem Subsidiaritätsprinzip auf verschiedenen föderalen Ebenen organisiert.

Während sich der Bund um den Leistungssport kümmert, fällt der Breitensport in den Zuständigkeitsbereich der Länder. Auf beiden Ebenen werden so Sportstätten, Vereine, Übungsleiter und (Groß-)Veranstaltungen zu verschiedenen Anteilen co-finanziert. Dazu unterstützen die Kommunen auf der lokalen Ebene, indem sie insbesondere auf Bau und Unterhaltung der Sportinstitutionen ein Auge haben.

All das wird über verschiedene Töpfe des öffentlichen Haushalts bezahlt. Eine genaue Aufstellung der staatlichen Förderungsausgaben ist jedoch nicht möglich. Eine Gemeinsamkeit bleibt dennoch: Es wird ausschließlich der selbst verwaltete Sport unterstützt. Die Subventionen werden nur indirekt über die Vereine ausgezahlt.

Sportökonomische Beurteilung

Aus sportökonomischer Perspektive lässt sich die deutsche Sportpolitik hinsichtlich ihrer Ziel- und Systemkonformität kritisch beurteilen.

Steigert Sport das Gemeinwohl?
Hat jeder Zugang zu Sport?
Ist die Sportpolitik systemkonform?

Jede dieser Fragen ist komplex und daher auch tiefgründig zu beantworten. Erkenntnisse wissenschaftlicher Untersuchungen sind für eine kluge Entwicklung der zukünftigen Sportpolitik genau hier gefragt, differenzierte Antworten zu liefern.

Ein großer Kritikpunkt ist vor diesem Hintergrund gemeinhin der DOSB als Marktzutrittsschranke, also der Ausschluss kommerzieller Anbieter aus der Sportförderung.

So würden zum einen die positiven Eigenschaften dieser sportlichen Betätigungsfelder für eine potenzielle Steigerung des Gemeinwohls außer Acht gelassen. Genauso beschränke man sich durch eine Subventionierung der Vereine im DOSB auf eine bestimmte Anzahl an Kernsportarten und jene Personengruppen, die dort aktiv sind. Bedürftige, die in Sportvereinen ggf. weniger präsent sind, profitieren weniger von der Förderung.

Zudem folgt aus dem Ein-Verbandsprinzip eine abnehmende Wettbewerbsintensität auf dem Sportmarkt. Das führt zu geringeren Anreizen für Innovationen in den sowieso unterstützten Vereinen, während die anderen teils vorteilhaften Anbieter größere Anstrengungen im Markt unternehmen müssen.

Reformmöglichkeiten

Aus sportökonomischer Sicht wird daher beispielsweise vorgeschlagen, die Sportförderung über den DOSB hinaus zu erweitern. So würden alle Akteure effizienter arbeiten und dem Konsumenten die optimale Kombination ihrer Nutzen-spendenden Güter anbieten.

Im Sinne von Chancengerechtigkeit biete sich zudem eine direktere Förderung des deutschen Sports an. Daumann argumentiert beispielsweise, dass Bedürftige von direkten Sportgutscheinen mehr profitieren würden als von der bisherigen Vereinsförderung.


Zum Nachlesen

Daumann, F. (2019). Grundlagen der Sportökonomie (3. Aufl.). München: ITB, S. 310-320.


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