Sportökonomie: Sind Fußballer-Gehälter gerecht?

Ökonomisch gesehen: Ja!

Zugegeben, diese Frage ist etwas überspitzt und sicher nicht so einfach zu beantworten. Doch aus ökonomischer Sicht gibt es einige Argumente für das hohe Gehalt der Profifußballer. Zum Beispiel: Das hohe Risiko bei der Berufsausbildung.


Die ökonomische Perspektive

Die Gerechtigkeitsfrage rund um die Gehälter des Fußballs, wird wohl immer kontrovers bleiben. Denn was jeder Einzelne unter Gerechtigkeit versteht, bleibt individuell und kontrovers. So wird es schwer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Auch Daumann erkennt in seinem Grundlagenbuch dieses Problem an. “Mangels eines objektiv richtigen Lohns” (Daumann, S. 52), bleibt zunächst nur der rein ökonomische Blick. Gerecht wären die Gehälter dann, wenn jemand auch bereit ist, diese zu zahlen. Und das ist schließlich der Fall.

Doch warum?

Fußballer haben schlicht sehr seltene Fähigkeiten, ihr sog. Humankapital ist extrem besonders. Das unterstreicht auch der Fakt, dass es selbst von den Jugendspielern nur circa 5 % in den Profibereich schaffen.

Risiken bei Ausbildung und Ausübung

Neben dem seltenen Talent braucht es also große und langfristige Investitionen in das eigene Humankapital, um am Ende erfolgreich zu sein. Diese Ausbildung zum Profi dauert lange und ist mit hohen Kosten verbunden.

Zum einen ist es schwer, nebenbei noch eine weitere Berufsausbildung zu durchlaufen. Die Opportunitätskosten sind also extrem hoch.

Zum anderen ist es schwer, die Entwicklung eines Spielers vorherzusagen. Es gehört auch eine gewisse Portion Glück dazu, sich am Ende im Profibereich durchsetzen zu können. Man ist darauf angewiesen, dass Vereinsverantwortliche auf Einen setzen.

Es besteht also auch ein großes Risiko, dass die ohnehin schon hohen Kosten am Ende zu keinerlei Ertrag führen. Dabei muss man zudem auch auf seinen eigenen Körper hoffen. Schließlich gefährdet man sich während der Ausübung des Berufs stets, diesen nicht mehr ausführen zu können. Stichwort: Verletzungen und Sportinvalidität.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer professionellen Fußballerkarriere ist dementsprechend extrem gering.

Das Versicherungsproblem

In jeder ökonomischen Tauschbeziehung entsteht bei einem solch hohen Risiko für die eine Partei das sog. Versicherungsproblem. Der Akteur, der das Risiko stärker scheut, wird letztlich eine Risikoprämie verlangen. Wird ihm diese nicht gewährt, überlegt er es sich zweimal, ob er den Vertrag eingehen sollte.

Der Fußballspieler, der sich von einem Club ausbilden lässt, verlangt also berechtigterweise eine Risikoprämie in seinem Vertrag. Sonst wäre der Fußball für ihn ein zu hohes Risiko, am Ende doch mit nichts in der Hand dazustehen.

Das Versicherungsproblem ist im Fußball aufgrund der besonderen Eigenschaften von Ausbildung und Produktion stets von großer Relevanz. Und es muss gelöst werden, am besten auf Klubebene. Denn diese sind schließlich auf gute Spieler angewiesen. Was wäre Fußball ohne die Spieler?

Man schafft das letztlich über die simultane Ausbildung vieler junger Spieler, um das Risiko zu verteilen. So erhöht sich die Chance für wenigstens einen erfolgreichen Profi, der dann auch die nötigen Erträge abwirft, um die gesamten Ausbildungsinvestitionen zu kompensieren.

Dass in diesem Zuge wieder das hold up Problem für die Klubs in den Vordergrund rückt, ordnet dieser Text ein:

Fazit

Letztlich ist das Versicherungsproblem aber ein Erklärungsansatz für die hohen Gehälter der Fußballer. Zum einen ist ihr Wertgrenzprodukt bedeutend groß, zum anderen werden sie so für die hohen Kosten und Risiken während der Berufsausbildung entschädigt. Aus ökonomischer Sicht sind die hohen Fußballgehälter also durchaus gerechtfertigt.


Zum Nachlesen

Daumann, F. (2019). Grundlagen der Sportökonomie. München: utb (3. Auflage), S. 38–42, 52.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s