Sportökonomie: Je kleiner der Kader, desto besser!

Je weniger Spieler der Trainer pro Saison einsetzt, desto größer sind die Gewinnchancen eines Fußballteams. Szymanski zeigt in einer sportökonomischen Studie: So stelle ich meinen Kader für größtmöglichen Erfolg zusammen! Auch die dabei genutzte Methode ist spannend.


Viele verschiedene Ergebnisse

Wie stelle ich meinen Kader am besten zusammen? Zahlreiche sportökonomische Studien geben auf diese Frage verschiedene Antworten. Zum Beispiel ist eine gute Mischung aus entwicklungsfähigen und erfahrenen Spieler entscheidend.

Diese Studie fragt sich, inwiefern Spielergehälter und Ablösesummen auf den sportlichen Erfolg Einfluss nehmen; genau wie die anderen Studien. Mit einer besonderen Methode ergeben sich jedoch auch darüber hinaus noch spannende Ergebnisse.

Szymanskis Studie

550 Spieler pro Saison, 18 Spielrunden. Dieser Studie nimmt die gesamte englische Premier League von 1992 bis 2010 unter die Lupe. Für jeden einzelnen Spieler sammelt Szymanski Gehälter und Ablösesummen in einer Datenbank.

Für die Gehälter nutzt er Veröffentlichungen über die Gesamtausgaben für Mitarbeiter der Vereine. Das ist eine sinnvolle Annäherung. Schließlich stellen die Profifußballer mit ihrem vergleichsweise hohen Gehalt einen sehr großen Anteil davon. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass die genutzten Zahlen doch nur angenähert und leicht pauschalisiert sind.

Für die Berechnung der Ablösesummen nutzt Szymanski einen spannenden Ansatz. Dieser macht diese Untersuchung aus wissenschaftlicher Sicht besonders bemerkenswert. Vielleicht ist er deswegen auch für andere Berechnungen im Sportmanagement nützlich.

Das Datenproblem ist folgendes: Der sportliche Erfolg wird an der erreichten Punktzahl des Teams gemessen. Dadurch bezieht sich der Erfolg immer nur auf eine Saison. Doch Ablösen tun das nicht!

Kaufe ich einen besonders jungen und entwicklungsfähigen Spieler, bezahle ich mehr als sonst üblich. Denn ich erwarte einen langfristigen Leistungssprung. Mein Investment soll sich also über mehrere Jahre auszahlen.

Wie messe ich aber die bezahlte Ablöse pro Saison?

Mit dem CTPP-Wert! Den Kapitalwert eines Spielers pro Saison nennt Szymanski Current Transfer Purchase Price.

Über die Summe der gezahlten Ablösen einer Saison in einer Liga berechnet man zunächst einen Preisindex. Setzt man den ins Verhältnis zu den einzelnen Transfers, erhält man den Betrag, den ein Club für die Leistung dieses Spielers in dieser Saison zahlen würde.

Ergebnisse

Auf Basis dieser Daten berechnet Szymanski eine signifikante Korrelation zwischen Gehalt, Ablöse und Erfolg. Je höher die Gehälter und Ablösesummen für die Spieler, desto erfolgreicher ist das Team. Das ist wenig überraschend, wenn man schon andere Studien kennt.

Doch die genutzten Daten zeigen noch mehr! Zum Beispiel: Es ist egal, wie viele Spieler einer Mannschaft nur geliehen statt gekauft werden. Auch die Anzahl der Spieler aus der eigenen Jugend spielt für Erfolg keine Rolle.

Und: Je weniger Spieler der Trainer pro Saison einsetzt, desto größer sind die Gewinnchancen eines Fußballteams.

Dieser Zusammenhang unterstreicht die Bedeutung von Routine im Fußball. Ein Team muss sich einspielen, um erfolgreich zu sein! Dafür braucht es auch Konstanz auf der Trainerposition. Verletzen sich einige Spieler, kann das schnell zu sportlichen Problemen führen.

Fazit

Insgesamt zeigt diese umfassende Studie, welche Prinzipien wir für eine erfolgreiche Kaderzusammenstellung beachten müssen.

  1. Verpflichte Spieler mit (deinem Budget entsprechend) hohem Gehalt und über hohe Ablösesummen. (Denn der Markt scheint effizient zu arbeiten, teure Spieler bringen meist auch hohe Qualität mit.)
  2. Baue einen knappen und dennoch ausreichenden, qualitativ ausgeglichenen Kader.
  3. Es ist egal, ob du dies mit Leih- oder Jugendspieler bewerkstelligst.

ABER: Beachte aber auch, dass das nur eine Studie mit einer kleinen Auswahl an Prinzipien ist. Auch die Erfahrung, der Marktwert und die Fluktuation müssen beispielsweise bei der Kaderzusammenstellung mitgedacht werden. Genauso muss es nicht die optimale Lösung sein, einen ganzen Kader nur aus Leihspielern zu bauen. In der Praxis sind diese Ergebnisse also nicht als unumstößliche, radikal umzusetzende Gesetze, sondern als ein Teil eines gegeneinander abzuwägenden Richtlinienkomplexes zu verstehen.


Quellen

Szymanski, S. (2013). Wages, transfers and the variation of team performance in the English Premier League. The Econometrics of Sport, 53–62. http://dx.doi.org/10.4337/9781781002865.00011


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