Sportökonomie: Schießt Geld Tore?

Das Sprichwort „Geld schießt Tore!“ kennt wohl jeder Fußballfan. Grundsätzlich kann man diese Aussage „Höhere Ausgaben führen zu mehr Erfolg.“ definitiv empirisch belegen. Doch es lohnt sich noch ein tiefgründigerer Blick: Inwiefern schießt Geld denn Tore? Und warum ist das relevant?


Hintergrund

Genau diese Frage hat mich über meine letzten beiden Schuljahren hinweg beschäftigt. In Zusammenarbeit mit der SG Dynamo Dresden arbeitete ich an einer sog. Besonderen Lernleistung – einer wissenschaftlichen Arbeit, deren Gegenstand genau jenes berühmte Sprichwort war. In diesem Beitrag möchte ich diese Studie grob zusammenfassen, die Ergebnisse einordnen und gleichzeitig die Chance nutzen, Interessierten eine Kurzform der gesamten Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Sportökonomische Einordnung

Zunächst: Betrachtet man das Sprichwort „Geld schießt Tore“ wissenschaftlich, findet man sich im Bereich der Sportökonomie wider. Die Sportökonomie ist die wissenschaftliche Disziplin, die durch die Anwendung klassisch-ökonomischer Instrumente auf den sportlichen Bereich versucht, spezifische Theorien zu bilden und daraus anschließend praktischen Nutzen zu ziehen.

In dieser Hinsicht untersucht man im Profifußball zum Beispiel, wie bestimmte Determinanten auf die sportliche Leistung eines Teams einwirken. Studien zeigen u. a., dass für größtmöglichen sportlichen Erfolg eine homogene Marktwertstruktur und eine heterogene Erfahrungsstruktur im Kader am erfolgsversprechendsten sind. Dagegen sind z. B. Nationalität oder Alter keine Faktoren von Relevanz.

Warum ist das wichtig? Weil man diese durch nachvollziehbare und belastbare Methoden gewonnenen Aussagen in der sportökonomischen Praxis anwenden kann. In diesem Fall können diese Thesen also als Handlungsempfehlungen dienen, die Kaderzusammenstellung im Profifußball entscheidend prägen.

Um nun dem Sprichwort „Geld schießt Tore“ auf den Grund zu gehen, habe ich den Einfluss des Determinanten Marktwert auf den sportlichen Erfolg eines Fußballteams untersucht.

Ergebnisse

Die Ergebnisse meiner Erhebung bestätigen zunächst, dass der durchschnittliche relative Marktwert eines eingesetzten Spielers in einer Mannschaft definitiv eine bedeutende Determinante für sportlichen Erfolg ist. Im Allgemeinen ist ersichtlich, dass die wertvollere Mannschaft einer Paarung die größere Chance hat, die Partie zu gewinnen. Je größer das Marktwertverhältnis ist, desto höher ist auch die Siegwahrscheinlichkeit für das höher bewertete Team.

Dabei sind insbesondere zwei Schwellenwerte des Marktwertverhältnisses von großer Bedeutung. Bei deren Überschreitung steigt die jeweilige Gewinnchance für das wertvollere Team signifikant an. Lässt man die nicht erklärbare Anomalie bei einem Marktwertverhältnis von 250%-300% außen vor, illustriert das folgende Diagramm diesen Zusammenhang deutlich.

Abbildung 1: Diagramm „Marktwertverhältnis und Sieghäufigkeit“.

Betrachtet man ferner noch den Marktwert im Zusammenspiel mit dem Alter, lassen sich noch konkretere Aussagen zur Siegchance eines Teams in bestimmten Marktwert- und Altersszenarien treffen. Beispielsweise gewinnt die Mannschaft mit dem höheren Marktwert und dem niedrigeren Alter mit ca. 25% im Vergleich die meisten Spiele.

Abbildung 2: Diagramm „Sieghäufigkeit der Mannschaft mit …“.

Was bedeutet das nun?

Sportökonomische Untersuchungen gewinnen gerade dann nochmal an zusätzlichem Wert, wenn sie vor dem Hintergrund ihrer Relevanz für die Sportmanagement-Praxis gedacht werden. Aus den Ergebnissen dieser Studie können daher beispielsweise Implikationen für die sportökonomische Arbeit in Fußballklubs und speziell deren Kaderzusammenstellung geschlussfolgert werden.

Für größtmöglichen sportlichen Erfolg gilt es folglich erstens, Humankapital mit möglichst hohem Durchschnittsmarktwert zu rekrutieren. Entscheidend ist dabei primär der relative Zugewinn gegenüber den Konkurrenten; eine ökonomische Besonderheit von Wettbewerben, die in Ligaform strukturiert sind.

Zweitens spielen wiederum die genannten Schwellenwerte eine Rolle. Investitionen, die das Marktwertverhältnis eines Kaders im Vergleich zu einer Vielzahl ihrer Konkurrenten von 230% auf 280% bringen, sind beispielsweise weniger effizient als welche, die eine Steigerung von 80% auf 130% verursachen.

Ferner ist empfehlenswert, möglichst junge und gleichzeitig höher bewertete Akteure zu verpflichten, da eine so strukturierte Mannschaft die größte Siegwahrscheinlichkeit mitbringt.

Einordnung

Nun ist es wichtig zu erwähnen, dass all diese Erkenntnisse auch stets ihre Limitation haben. Diese hier auszuführen, ginge jedoch zu weit. Wer eine Kurzform der Studie lesen möchte, in der die gesamte Theorie, Methodik, Auswertung und Kritik tiefgründiger erläutert wird, kann sich diese gern am Ende der Seite herunterladen.

Dabei sollte im Hinterkopf behalten werden, dass diese Schularbeit zwar so wissenschaftlich wie möglich durchgeführt wurde, sicher aber noch nicht ganz den Standards von universitären Untersuchungen entspricht. Ich hoffe trotzdem, das sie für einige lesenswert erscheint.


Verweise & Weiterführendes

Eine genauere Auflistung aller verwendeter Literatur findet sich im Kapitel Bibliografie der unten verlinkten Studie. Um einmal die drei interessantesten Quellen, die ich auch für diesen Beitrag genutzt habe, hervorzuheben, seien folgende genannt:

Für den sportökonomischen Gesamtüberblick:
Daumann, F. (2019). Grundlagen der Sportökonomie. (3. Auflage). Ort: München

Über die Anwendung der Sportökonomie in der Sportmanagement-Praxis:
Nufer, G., Bühler, A. (Hrsg.). (2012). Management im Sport. Betriebswirtschaftliche Grundlagen und Anwendungen der modernen Sportökonomie. Ort: Berlin

Zur bekannten Diskussion um die Marktwerte:
Ackermann, P., Follert, F. (2018). Einige bewertungstheoretische Anmerkungen zur Marktwertanalyse der Plattform transfermarkt.de. In SCIAMUS. 3/2018. 21-41


Für jene, die die Studie nun noch einmal genauer lesen wollen, ist hier die Kurzform der Arbeit in Form eines Artikels:


Lohnt sich das Schreiben einer Besonderen Lernleistung neben der Schule? Hier diskutiere ich meine persönlichen Erfahrungen und Vor- und Nachteile eines solchen Projekts.


3 Kommentare zu „Sportökonomie: Schießt Geld Tore?

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