Besondere Lernleistung: Persönliche Erfahrungen

In einigen Bundesländern besteht in der Schule die Möglichkeit, sich mit einer Besonderen Lernleistung an eine wissenschaftliche Arbeit heranzutrauen. Ich habe das in Sachsen probiert. Lohnt sich das? Hier möchte ich dazu einmal Vor– und Nachteile diskutieren.


Mein Hintergrund

In meinem Heimatbundesland Sachsen besteht während der Oberstufe die Möglichkeit, mit einer Besonderen Lernleistung eine mündliche Prüfung im Rahmen des Abiturs zu ersetzen. Eine sogenannte BeLL ist, um es grob zusammenzufassen, eine wissenschaftliche Arbeit, die den universitären Standards durchaus nahe kommen kann.

Da an meiner Schule zumindest der Versuch einer BeLL Gang und Gäbe ist, erfuhr ich schon früh in meiner Schulzeit von diesem Angebot. Für mich stand seitdem außer Frage, dass ich das wissenschaftliche Arbeiten einmal probieren möchte.

Genau das habe ich dann in der Oberstufe auch in die Realität umgesetzt. Gemeinsam mit der SG Dynamo Dresden habe ich mich in den Bereich der Sportökonomie begeben und das berühmte Fußball-Sprichwort „Geld schießt Tore!“ näher untersucht. Eine Zeit, in der ich viele Erfahrungen gemacht habe.


Nachteile

Wenn man über solch ein Projekt nachdenkt, kommt einem logischerweise und unvermeidlich zunächst der naheliegendste Nachteil in den Kopf: Das Zeitproblem. Ich kann bestätigen: Ja, das Arbeiten an einer BeLL kann unglaublich zeitaufwändig sein.

Wie sich das dann genau darstellt, hängt sicher vom jeweiligen Thema, Ziel und Anspruch der jeweiligen Arbeit ab. Grundsätzlich tendiere ich auf Basis meiner Erfahrungen und derer meiner Freunde jedoch schon dazu, dass eine BeLL signifikant mehr Aufwand als beispielsweise die zu ersetzende Prüfung bedeutet. Ich hatte zum Beispiel einige Mitschüler, die aufgrund dessen lieber letzteres absolvierten.

Schlussendlich hängt die genaue Abwägung jedoch sicher auch von dem jeweiligen Thema, Ziel und Anspruch der Arbeit und den Prüfungsumständen ab. Bei mir stellte sich das wie folgt dar:

Im Rückblick muss man konstatieren, dass ich für die Arbeit durchaus extrem viel Zeit neben der Schule investiert habe; und das über anderthalb Jahre. Zum Ende von Klasse 10 begann ich mit der Themenfindung, dem Organisatorischen und der inhaltlich-strukturellen Vorbereitung.

Über das Semester 11/1 lief dann meine empirische Datensammlung. Zu jedem betrachteten Fußballspiel füllte ich dafür Excel-Tabellen händisch aus. Bei durchschnittlich 10 Arbeitsminuten und insgesamt 496 Spielen, summierte sich dies auf circa 80 Stunden.

Nach Beendigung dieser Phase kümmerte ich mich um die ausführliche Literaturrecherche, das Exzerpieren, Konzipieren und Schreiben. In Semester 11/2 nutzte ich dafür nahezu jede freie Minute, gerade die Zeit während des ersten Covid-19-Lockdowns. All das belief sich circa auf 10 Stunden Arbeit pro Woche.

Wenn dieser beispielhafte Zeitaufwand nun eventuell erschreckend wirken mag, muss man jedoch folgendes einordnen: Mein Ziel war es, die BeLL nicht wie gewohnt am Ende von 12/1 fertigzustellen, sondern schon ein halbes Jahr zuvor. Daher investierte ich schon in Jahrgang 11 so viel Zeit.

Aber das sollte sich schlussendlich lohnen, denn nun konnte ich mich während des letzten Schuljahres nur auf den klassischen Unterricht konzentrieren. Nebenbei kümmerte ich mich nur ab und an um das Kontrollieren und Verbessern des schon geschriebenen First Drafts oder um das Kolloquium zur Studie kurz vor dem Ende der Abiturprüfungen. Das erleichterte vieles.

Trotzdem ist der Zeitaufwand definitiv ein bedeutendes Gegenargument, gerade wenn man im Einzelfall vielleicht eine nicht unglaublich schwere mündliche Prüfung vor sich hat. Dennoch: Für mich persönlich ist das auch das einzige.


Vorteile

Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten bringt schließlich das Arbeiten an einer Besonderen Lernleistung meiner Erfahrung nach sehr viel Positives mit sich. Letztendlich lernt man unglaublich viel während dieses Prozesses.

Zum einen ist diesbezüglich logischerweise das wissenschaftliche Arbeiten zu nennen. Auch wenn ich persönlich darüber schon viel während vorheriger Schulprojekte gelernt hatte, ist eine solche praktische Anwendung sowohl spannend als auch hilfreich. Obwohl der Standard gegebenenfalls noch nicht so hoch liegt wie in Universitätskreisen, stellt sich eine Erfahrung dieser Art als besonders gute Vorbereitung auf das Studium heraus.

Zum anderen kann eine BeLL auch thematisch sehr interessant werden. Schließlich kann man sich inhaltlich komplett frei ausleben, sich das Thema frei aussuchen. Ich beispielsweise habe mich der Sportökonomie gewidmet, eine für mich persönlich sehr spannende Wissenschaft, die jedoch in der Schule keine Beachtung findet.

Im Rahmen einer Bell kann man sich mit einer wirklich neuen und relevanten, persönlich spannenden Frage beschäftigen. Man erlangt neue Erkenntnisse, liest und spricht über interessante Themen. Und das kann am Ende auch ein Wegweiser für das Studium und die weitere berufliche Orientierung sein.

Insgesamt sammelt man unglaublich vielfältige und relevante Erfahrungen während eines solchen Projektes, dass diese – das steht für mich auf jeden Fall außer Frage – dessen Nachteile bei weitem überwiegen.


Fazit

Also: Probiert es einfach! Ich habe auch einfach mal auf gut Glück die SG Dynamo Dresden angeschrieben. Zu was das am Ende geführt hat, ist im Rückblick unglaublich toll. Das Arbeiten an einer BeLL hat so viele Vorteile, die den damit verbundenen Mehraufwand mehr als rechtfertigen.

Aber, klar, man muss sich auch wirklich dahinter klemmen. Ich kenne auch Mitschüler, die anfangs Ja zu einem solchen Projekt gesagt haben, dann aber nur sehr wenig investieren wollten und daher Probleme bekamen. Dennoch: Wenn man es wirklich will, kann eine BeLL zu einer unendlich wertvollen Erfahrung werden.


Ein Kommentar zu „Besondere Lernleistung: Persönliche Erfahrungen

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