Schulkonzept: Eliteschule Sankt Afra? Nein!

Das Landesgymnasium Sankt Afra. Viele denken dabei an eine „Eliteschule“ ohne jeglichen Bezug zum wirklichen Leben. Doch weiter weg von der Realität kann man damit nicht sein. Hier sind meine Erfahrungen über und um Afra und dessen Schulkonzept.


Das afranische Leitbild in Kurzform

Beschäftigt man sich genauer mit dem Landesgymnasium Sankt Afra, ist sicherlich das Schulkonzept eines der relevantesten Themen. Jene, die das detailliert nachlesen möchten, verweise ich auf die afranische Website.

Dieses tiefgründig ausformulierte Leitbild prägt den afranischen Alltag. In der Praxis sind jedoch logischerweise einige Details wertvoller als andere. Meiner Erfahrung nach stehen bezüglich der afranischen Kultur vor allem folgende drei Aspekte im Vordergrund, die es zu diskutieren gilt:

Hochbegabtenförderung, Generalismus, Freiraum für Persönlichkeit

Die drei afranischen Prinzipien, zumindest meiner Meinung nach.

Hochbegabtenförderung

Auf dem Papier ist Afra ein Gymnasium für Hochbegabtenförderung. Aber (!) diesen Begriff muss man differenziert einordnen. Denn nach meiner Erfahrung ruft er bei Vielen falsche Bilder hervor. Über Afra gibt es zahlreiche Vorurteile, die von „abgehobene Eliteschule“ bis „bloße Ansammlung von Strebern“ reichen.

Das entspricht offensichtlich in keinster Weise der Realität. Im Gegenteil. Jeder Afraner ist genauso normal wie jeder andere. Die Schüler beschäftigen dieselben Themen und Probleme, die auch Nicht-Afraner umtreiben. Es gibt genauso genügend Schüler, die durchweg schlechte Noten schreiben.

Der einzige Unterschied ist, dass die Noten an Afra im Gesamtbild und -durchschnitt besser ausfallen als anderswo. Das sieht man unter anderem am Abiturschnitt, der in meinem Jahrgang beispielsweise bei circa 1,45 lag.

Doch ist das relevant? Definitiv nicht. Viel entscheidender sind die folgenden zwei Gesichtspunkte.

Generalismus

Zum einen wird der Unterricht an Afra anders gestaltet. Es gibt einen leicht veränderten Lehrplan. Entscheidend ist, dass die normalen Schulthemen an Afra in komprimierter Form gelehrt werden.

Die dabei verbleibende Zeit wird dann genutzt, um sich inhaltlich und/ oder methodisch noch tiefgründiger mit der Materie auseinanderzusetzen. Damit sollen keine Inselbegabungen gefördert, sondern komplette und reflektierte Persönlichkeiten gebildet werden – Generalisten.

Meist macht man das auf eine ausgesprochen offene und kreative Weise. Präsentationen (in jeglichen Fächern), (Podiums-)Diskussionen, Essays und Projektarbeiten stehen sehr häufig im Fokus. Die gemeinsame Reflexion nimmt dabei ebenso einen große Rolle ein. Folgende Projekte habe ich beispielsweise erlebt:

  • Klasse 7: Produktion eines Musikvideos zu einem gesellschaftskritischen Song
  • Klasse 7: Produktion eigener Herrscherporträts, an den Absolutismus angelehnt
  • Klasse 9: Planspiel „Vereinte Nationen“ im Fach G/R/W
  • Klasse 10: Projektfahrten nach Krakau (Ausschwitz) und Sevilla

Neben vereinzelt vertieften Themen im Unterricht werden zudem zahlreiche extrakurrikulare Projekte angeboten. Die sogenannten addita ergänzen das fundamentum. Jeder Schüler wählt aus einem großen Pool an Angeboten ein inhaltlich spannendes Feld, mit dem er/ sie sich gern neben dem Unterricht beschäftigen möchte. Dabei reicht das Spektrum von Geschichte, Raumfahrt über Chor bis zum Weinberg-Additum.

Genauso wird großer Wert auf die Einführung in die Wissenschaften und die dazugehörige Arbeitsweise gelegt. Schon in Klasse 8 (bei mir war das noch so, jetzt ist es glaube ich Klasse 9) beginnt man mit der Produktion kleiner wissenschaftlicher Hausarbeiten über selbst gewählte Themen. Das ist eine große Gelegenheit, wertvolle Erfahrungen mit der Wissenschaft zu sammeln. In der Oberstufe kann man dann anschließend eine größer angelegte Besondere Lernleistung in ähnlichem Stil verfassen, die einen inhaltlich schon auf das Studium vorbereitet.

Fruchtvoll wird dieses akademische Konzept jedoch erst durch die Lehrer. Mir fehlt leider der Einblick in andere Schulen. Doch für Afra kann ich festhalten, dass ich die meisten meiner Lehrer immer als äußerst kompetent eingeschätzt habe.

Besonders macht Afra auch der offene Umgang dieser Lehrer mit den Schülern. Man findet stets einen Ansprechpartner für jegliche Art von Anliegen, kommuniziert auf Augenhöhe und das auch über die reine Schule hinaus.

Freiheit für Persönlichkeit

Neben dem Generalismusprinzip trägt der afranische Leitspruch „Freiheit für Persönlichkeit“ große Bedeutung. In einem grob vorgegebenen Rahmen (schulische Ausbildung, Regeln des Zusammenlebens) soll jedem Einzelnen so viel Raum wie möglich zur Selbstentfaltung gegeben werden.

In diesem Sinne gibt es zahlreiche, gefühlt unendliche Chancen, die einem an Afra offen stehen. Für jeden Wettbewerb findet man einen unterstützenden Mentor. In Klasse 9 und 10 kann man zum Frühstudium an der TU Dresden gehen. In der akademischen Woche können Referenten zu jeglicher Thematik zu offenen Diskussionen eingeladen werden.

Zum Ende des Jahres organisieren Schüler eigene kleine Projektfahrten. Über zahlreiche Gremien im Rahmen der Schülermitverantwortung kann jeder Afra mitgestalten und dabei selbst politisch-demokratische Erfahrungen sammeln. Und hat man eine neue Idee für ein additum, ein Projekt, ein Sportangebot oder irgendetwas anderes – irgendwie findet man immer Unterstützer und Teilnehmer.

Fazit

Diese Aspekte sind für mich für die Kultur Afras, das Wesen dieses Gymnasiums entscheidend. Klar, auf dem Schulischen liegt der Hauptfokus. Da bringt einem Afra unglaublich viel.

Doch das, was darüber hinausgeht, ist noch viel viel wertvoller. Die vielen Entfaltungsmöglichkeiten, die jedem offen stehen, die zahlreichen Erfahrungen, die man macht, die darauf folgende Reflexion in gemeinsamer Runde – all das leistet einen großen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung eines Jeden. Das ist der entscheidende Beitrag Afras.


Weitere Themen zu Sankt Afra und meinen Erfahrungen:


5 Kommentare zu „Schulkonzept: Eliteschule Sankt Afra? Nein!

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