Sankt Afra: Internat Erfahrungen

Das Landesgymnasium Sankt Afra. Möchte man auf dieses Gymnasium, muss man das angeschlossene Internat besuchen. Wie ist es dort? Hier sind einige meiner Erfahrungen rund um Sankt Afra und dessen Internat.


Die Contra-Seite

Möchte man Afraner werden, muss man gleichzeitig im Internat Afras wohnen. Diesbezüglich haben viele Eltern große Bedenken. Die meisten kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen.

Besondere soziale Kontexte

Denn das afranische Internat hat durchaus seine negativen Seiten. Jedes Internat ist schlichtweg ein sehr besonderes soziales Umfeld, Afra ist da nicht anders. Man hockt extrem viel Zeit beieinander, hat meist weniger Kontakt über die Campusgrenzen hinaus.

Innerhalb dessen können so Konflikte entstehen, besonders hinsichtlich der pubertären Entwicklung, die jeder Schüler in seiner Afra-Zeit durchmacht. Die engen und omnipräsenten Beziehungen in einem Internat sind dabei aus sozialer Sicht nicht immer leicht.

Alter- und Anpassungprobleme

Wechselt man in Klasse 7 nach Afra ist man zudem auch schlicht noch extrem jung. Auch wenn das für mich damals kein Problem war, kenne ich einige, denen es anders ging. Schüler mit Heimweh, Schüler, die sozial nicht klar kommen, Schüler, die ohne elterliche Kontrolle anfangs schulisch absacken, gibt es in jedem Jahrgang.

Auf diese Thematik achtet man daher während des Auswahlverfahrens und der anfänglichen Probezeit. Auch die erfahrenen Internatsmentoren wissen um die besondere soziale Komponente einer neuen Klasse 7. Seit einigen Jahren nimmt Afra daher auch vermehrt Schüler ab Klasse 9 auf. Ganz ausschließen lassen sich Anpassungsprobleme und Konflikte jedoch nie.

Kontrollprobleme, zum Beispiel Alkohol

Ein weiteres im Afrakontext häufig diskutiertes Thema dreht sich im Spezifischen um Alkohol, im Allgemeinen um die Frage nach dem richtigen Maß an Kontrolle. Normalerweise entscheiden Eltern selbst, wie sie solche Fragen mit ihrem Kind klären. Im Internat übernehmen das Internatsleitung und Internatsmentoren, deren Vorgehen daher wohl immer kontrovers bleiben wird.

Am Beispiel Alkohol lässt sich festhalten, dass solche Themen an Afra grundsätzlich einheitlich strikt geregelt werden. Auf dem Papier ist Alkohol auf dem Campus verboten. Wird man mit Flaschen oder im betrunkenen Zustand erwischt, muss man mit einer Strafe rechnen.

Nichtsdestotrotz ist Alkohol unter Jugendlichen logischerweise immer ein Thema, auch an Afra. Wie auch woanders bleiben am Ende von Klasse 12 meiner Erfahrung nach nur selten Personen übrig, die das Alkoholverbot nicht schon einmal gebrochen haben.

Und dann gibt es genau wie anderswo jene, die nur wenig und/ oder selten trinken, und jene, die – plakativ gesagt – jeden Abend mindestens zwei Bier intus haben.

Aufgrund dieser Diskrepanz läuft der Dialog über den Umgang mit Alkohol (und anschließend auch mit anderen Substanzen) an Afra schon ewig. Schließlich ist das auch ein sehr komplexes Themenfeld hinsichtlich Verantwortung und Kontrolle, das sicherlich auch andere Internatseinrichtungen beschäftigt.

Die Differenzen liegen im Folgenden: Die Lehrer müssen und wollen einen gewissen Grad an Kontrolle, denn sie sind die Verantwortlichen. Die Jugendlichen dagegen wollen so viel Freiheit wie möglich, wollen Dinge ausprobieren. Beides sicherlich zu einem moderaten Teil richtig und verständlich.

Daher muss auf jeden Fall ein konkreter Kompromissweg ausdiskutiert werden. Afra hat den meiner Meinung nach noch nicht gefunden. Ich persönlich habe eine komische Mischung aus strenger Kontrolle und aktivem Wegsehen erlebt, ein ausgesprochen individuumsabhängiges Vorgehen. (Plakativ: „Herr Müller wühlt in deinen Sachen nach Bier, aber Herr Martin trinkt einen mit.“) Solche Inkonsistenzen führen natürlich zu Unklarheiten, Unfairness und nicht zielführender Kommunikation, zu zahlreichen Konflikten.

Die Pro-Seite

Ich finde, dass jeder für sich selbst die positiven mit den negativen Seiten des Internats abwägen und einordnen sollte. Für mich überwogen trotz der angesprochenen Problemfelder erstere.

Die Anbindung der Schule an den Campus macht Afra erst zudem, was es ist. So entsteht eine untrennbare Mischung aus Freizeit, Projektarbeit und Lehre – alles an einem Ort, alles schnell und frei zugänglich. So kann man sich selbständig, leicht und frei organisieren, kommt einfach mit allen Menschen in Kontakt.

Auch alle Freunde sind sofort nebenan, ich kann ein Haus nach dem anderen besuchen. Diese besondere soziale Mischung ist trotz der potenziellen Probleme die meiste Zeit unglaublich erfüllend.

Die Geschichten, die man gemeinsam erlebt, bleiben im Gedächtnis. Seien es der gemeinsame Haussport, hausübergreifende Übernachtungen, Open-Air-Filmnächte oder gemeinsame Lernstunden – ich glaube, jeder Afraner könnte mindestens zehn super positiv einprägsame Erfahrungen der afranischen Gemeinschaft aufzählen und erinnert sich mit Freuden daran.

Fazit

Insgesamt kann Afra schlicht nur genauso funktionieren – mit Schule und Internat als Einheit. Dabei entstehen wertvolle Verbindungen, die das Gemeinsame erst besonders eindrücklich machen. Auch wenn dabei Probleme und Konflikte auftreten können und noch einige Themen konkreter geklärt werden sollten, färbt sich das Gesamtbild doch fast immer positiv.


Weitere Themen zu Sankt Afra und meinen Erfahrungen:


5 Kommentare zu „Sankt Afra: Internat Erfahrungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s