Sportökonomie: Kaderstruktur im Fußball – Zusammenstellung

Die Zusammenstellung des sportlichen Teams ist im Fußball von entscheidender Bedeutung. Nur eine funktionierende Mannschaft kann gemeinsam erfolgreich sein. Wie sieht eine solche aus? Ein Blick auf empirische Forschungsergebnisse verrät einiges.


Individuelle Leistungen

Werfen wir zunächst unseren Blick auf die individuellen Leistungen eines Spielers. Wie beeinflussen welche Faktoren dessen Performance? Hier eine kleine Zusammenstellung.

Das Alter

Zwischen dem Alter und der sportlichen Leistung weisen Studien einen u-ähnlichen Zusammenhang nach. Sowohl Spieler mit geringem als auch jene mit hohem Alter performen durchschnittlich am besten.

Warum? Man diskutiert in der Sportökonomie in dieser Hinsicht vor allem den Trade-off zwischen Motivation und Routine. Zumindest in der Theorie mag man vermuten: Jüngere Spieler agieren motivierter, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Ältere Spieler profitieren dagegen von ihrer Erfahrung.

Gleichzeitig wäre ich persönlich mit dieser unterkomplexen Idee vorsichtig. In der statistischen Gesamtuntersuchungsmenge mag eine Tendenz dieser Art vorherrschen (was man empirisch aber erst einmal belegen müsste). Gerade beim Betrachten einzelner Individuen sollte man jedoch nicht den Fehler pauschaler und ungenauer Attribuierungen begehen.

Die Erfahrung

Tendenziell steigt die sportliche Leistung mit der Erfahrung eines Spielers.

Dafür lassen sich viele Gründe finden. Dass Akteure mit größerer Routine möglicherweise besser mit Niederlagen und Drucksituationen zurechtkommen, scheint zum Beispiel subjektiv logisch. Des Weiteren erklärt die Bewegungswissenschaft, dass mehr Erfahrung tendenziell zu verbesserter Handlungsschnelligkeit auf dem Feld führt.

Der Marktwert

Der Marktwert ist in Sportkreisen ein umstrittener, weil häufig unklarer Begriff. An anderer Stelle werde ich auf dessen Aussagekraft noch einmal gesondert eingehen. Hier bleibt jedoch festzuhalten: Aufgrund ihrer Korrelation zu realen Ablösesummen können die Marktwerte von tm.de definitiv als Argumentationsgrundlage dienen.

Auf die Spielerleistung wirkt ein steigender Marktwert grundsätzlich positiv. Das liegt daran, dass die Bewertungen der Spieler selbst u. a. auf deren Performances aus der Vergangenheit beruhen. Im Gegensatz zur Erfahrung nimmt hier allerdings der Grenzertrag mit steigendem Marktwert ab.

Teamleistungen

Schaut man nicht auf die individuellen Leistungen, sondern die Performance im Team, sind folgende Faktoren entscheidend:

Für größtmöglichen sportlichen Erfolg ist zum einen eine heterogene Erfahrungsstruktur im Kader günstig. Solche Teams kombinieren die Vorteile der Erfahrenen (Routine) und die der Unerfahrenen (Motivation) und agieren somit im Vergleich am erfolgreichsten.

Die Marktwertstruktur des Teams sollte dagegen homogen gestaltet sein. Die Empirie zeigt, dass auch heterogener Mannschaften mit deutlich höherem individuellen Niveau weniger erfolgreich sind als homogene Teams. Sind die qualitativen Unterschiede (und damit auch deren Gehalt) innerhalb eines Teams zu groß, behindert das die Kooperationsbereitschaft der Akteure.

Spannenderweise spielen für die Teamleistung die Faktoren Alter und Diversität keine signifikante Rolle. Es ist statistisch gleich, ob ein Team nur aus jungen oder alten Spielern besteht. Genauso hat es keine Relevanz, wie viele verschiedene Nationalitäten in einem Kader vorkommen.

Implikationen für die Praxis

Was bedeutet das nun für die Kaderzusammenstellung im fußballerischen Tagesgeschäft? Das Ziel ist immer, eine möglichst erfolgreiche Mannschaft zu gestalten. Das bedeutet, dass all diese Determinanten der sportlichen Leistungen beachtet werden müssen.

Zum Beispiel ist es also Ziel, die Erfahrungsstruktur des Kaders immer weiter zu ergänzen, sodass eine heterogene Mischung entsteht. Gleichzeitig geht es darum, Spieler mit möglichst hohem Marktwert zu verpflichten. Dabei sollte ein Team jedoch organisch wachsen. Das Gesamtbild der Individualmarktwerte muss stets homogen bleiben.


Quellen:

Daumann, F. (2019). Grundlagen der Sportökonomie, 3. Aufl., Konstanz, München, S. 128-151.

Schewe, G., Littkemann, J. (Hrsg.). Der Profifußball aus sportökonomischer Perspektive, Schorndorf, S. 243-264.


2 Kommentare zu „Sportökonomie: Kaderstruktur im Fußball – Zusammenstellung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s