Sportökonomie: Formen der Clubverfassung

Insgesamt vier verschiedene Formen von Clubverfassungen traten in der Saison 2018/2019 in der Deutschen Fußball-Bundesliga auf. Welche dieser Rechtsformen ist eigentlich ökonomisch am sinnvollsten?


Vereine versprechen nur wenig Erfolg

Plakativ formuliert: Die bei den Fans so beliebten Vereine sind es nicht. Zumindest aus ökonomisch-theoretischer Sicht. Gegenüber Kapitalgesellschaften oder Eigentümerunternehmungen weisen sie ein höheres Risiko für wirtschaftlich ineffiziente Arbeit auf. Warum ist das so? Und wie lässt sich dem entgegensteuern?

Welche Formen der Clubverfassung gibt es?

Beginnen wir von vorn: Aus der Historie erwachsen spielen im deutschen Fußball die klassischen Vereine eine große Rolle. Mit dem Etablieren der Kapitalgesellschaft folgten in den letzten Jahren jedoch viele Clubs dem Kommerzialisierungstrend im Sport.

In der Saison 2018/19 spielten in der Bundesliga so zum Beispiel fünf Clubs als GmbH, fünf als GmbH & Co. KGaA und weitere drei als AG. Dagegen standen zu diesem Zeitpunkt fünf Vereine.

Weitere mögliche Rechtsformen zeigen andere Sportarten auf: In der Handball-Bundesliga agieren einige Clubs beispielsweise als GmbH & Co. KG. In der Theorie sind auch Eigentümerunternehmungen möglich.

Klassifizierung der Rechtsformen

Diese Rechtsformen lassen sich aus ökonomischer Sicht klassifizieren. Dabei sind folgende zwei Fragen von Relevanz: Wer übernimmt die geschäftlichen Tätigkeiten innerhalb der Institutionen? Wer erhält die erwirtschaften Erträge?

Vereine, Kapitalgesellschaften und Eigentümerunter werden daher nach den Kriterien Koordinationsrecht und Ertragsrecht wie folgt eingeordnet:

Abb. 1: Klassifikation verschiedener Rechtsformen von Sportclubs.
Daumann (2019)

Diese Charakteristika bedingen theoretisch-ökonomische Implikationen. Ein konkreterer Blick auf die praktische Funktionsweise dieser ermöglicht daher einen Vergleich. Werfen wir darauf einen Blick!

Eigentümerunternehmung

Bei einer Eigentümerunternehmung liegen Koordinations- und Ertragsrecht bei derselben Person. Daraus ergibt sich automatisch der Anreiz, ökonomisch mit den Ressourcen des Clubs umzugehen. Der Gewinnmaximierung steht unter der Annahme des Homo Oeconomicus also theoretisch nichts entgegen.

Kapitalgesellschaft

Bei Kapitalgesellschaften stellt sich die wirtschaftliche Praxis komplexer dar. Das liegt daran, dass der Vorstand die Clubgeschäfte führt, die Erträge aber den Aktionären zukommen. Dadurch tritt das Principal-Agent-Problem auf.

Dabei tritt der Aktionär als Prinzipal auf, der die Aufgabe der Geschäftsführung an den Vorstand als Agenten delegiert. Zwischen diesen beiden bestehen jedoch Unterschiede in der persönlichen Zielsetzung, dem persönlichen Informationsstand und dem jeweils verfügbaren Ressourcenpool.

So agiert der Agent nie zu kompletter Zufriedenheit des Prinzipals. Vielmehr wird er den Vertrauensvorschuss und die Informationsasymmetrie zur (zumindest teilweisen) Verfolgung seiner eigenen Ziele nutzen. Im Sportclub als Kapitalgesellschaft erreicht man im Modell daher nie einen idealen wirtschaftlichen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Lässt sich das verhindern? Nur durch eine Art Kontrolle kommt man dem Ideal so nah wie möglich. Doch die Umsetzung ist schwer. Schon die Principal-Agent-Theorie beschreibt, das externe Einflussfaktoren das Ergebnis der Agentenhandlungen verzerrt. Das macht Rückschlüsse auf seine vorhergehende Leistung kompliziert. Für den Aktionär lohnt sich zudem eine solche Kontrollanstrengung nur selten. Die Kosten für den Einzelnen wären hoch, der monetäre Ertrag dafür vermutlich nicht signifikant hoch genug.

Dennoch zeigen sich in der Praxis einige Möglichkeiten zur Relativierung des Principal-Agent-Problems. Leistungsabhängige Gehälter oder Boni spornen den Agenten beispielsweise zu wirtschaftlichem zielkonformen Handeln an. Genauso ermöglicht die Etablierung von einem institutionalisierten Kontrollsystem verstärkte Kontrolle. Ein Aufsichtsrat ist dafür ein passendes Beispiel. Drittens können angrenzende Märkte oder Geschäftspartner eine disziplinierende Wirkung entfalten: Fällt zum Beispiel der Aktienkurs, müssen sich Vorstände hinterfragen.

Verein

In einem Verein treten dieselben strukturellen Probleme wie in einer Kapitalgesellschaft auf. Das Koordinationsrecht liegt in der Hand des Vorstands, während das Recht auf die Erträge allgemein nicht näher konkretisiert ist, beispielsweise bei den Mitgliedern liegen kann.

Im Vergleich wirkt sich das resultierende Principal-Agent-Problem jedoch in vielen Vereinen noch problematischer aus. Durch den großen Anteil an ehrenamtlichen Arbeitern entfallen monetäre Anreizmöglichkeiten. Häufig reicht auch die institutionelle Gestaltung des Clubs nicht als Kontrollmöglichkeit aus.

Des Weiteren wirken Güter- und Kapitalmärkte nur geringfügig disziplinierend. Genauso geht die Macht eines einzelnen Mitglieds, beispielsweise durch einen angedrohten Austritt, gegen Null.

Eigentümerunternehmungen laufen am besten, aber Achtung!

In der Theorie ist in einem Verein daher die Wahrscheinlichkeit für ineffizientes Handeln groß. Dagegen ist die Eigentümerunternehmung aus ökonomisch-theoretischer Sicht am erfolgsversprechendsten.

Heißt das, dass wir die Clubverfassungen in der Fußballbranchen reformieren müssen? Nicht unbedingt.

Eine solche wissenschaftliche Einordnung hilft auf jeden Fall dem Verständnis der Fußballwelt. Doch in der Praxis darf die Komplexität des Sportmarkts nicht aus den Augen gelassen werden. Viele unterschiedliche Akteure sind darin involviert, die bei sportökonomischen Entscheidungen mitzudenken sind.

Abb. 2: Der Sportmarkt und seine Folgemärkte.
Eigene Darstellung in Anlehnung an Daumann (2019)

Die Fans als Nachfrager auf dem passiven Teil des Sportmarkts nehmen beispielsweise eine wichtige Rolle ein. Neben einer rein ökonomisch-theoretischen Betrachtung der Clubverfassung sind daher auch Themen wie Fanbindung relevant. Es gibt in dieser Hinsicht also auch viele Argumente für Vereine und gegen andere Formen der Clubsteuerung, betrachtet man das Thema aus einer anderen Perspektive.

Nichtsdestotrotz: Die ökonomische Theorie verdeutlicht die Bedeutung von professionalisierten Strukturen im Sport. Denn je professioneller wir unseren Verein strukturieren, desto effizienteres Handeln können wir erwarten. Gestalten wir wirksame Kontrollmechanismen des Tagesgeschäfts, binden wir die Akteure über bspw. monetäre Anreizsysteme an ihre Verantwortlichkeit, nutzen wir weitergehend noch das Mitgliederpotenzial, werden wir erfolgreicher sein.

Fazit

Im Fußball treten verschiedene Rechtsformen der Clubs auf. Diese bringen jeweils spezifische Vor- und Nachteile für die sportökonomische Praxis mit sich. Eigentümerunternehmungen agieren in der Theorie zum Beispiel deutlich effizienter als viele Vereine. Das heißt nicht, dass alle Vereine zu verdammen sind. Doch es zeigt, wie wichtig zunehmende Professionalisierung für die Weiterentwicklung von Fußballclubs ist.


Quellen

Daumann, F. (2019). Grundlagen der Sportökonomie, 3. Aufl., Konstanz, München, S. 41, 152-257.


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