Trainertagebuch #1: Erste Eindrücke

Endlich beginne ich nun, im November 2021, als Fußballtrainer aktiv zu sein. Zunächst beginne ich in einem lokalen Verein als Co-Trainer einer U10. In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen dokumentieren.


Eindrücke der ersten Woche

Meine erste Woche galt zunächst dem „Reinschnuppern“ in das in meinem Verein schon laufende Trainergeschäft. Ich starte wirklich mit null vorherigen Erfahrungen. Ich habe zwar schon viel zu inhaltlichen Themen des Fußballs gelesen, doch wie setzt man das in die Praxis, gerade in der Arbeit mit Kindern, um?

Das werde ich in den kommenden Wochen lernen. Doch schon in der ersten beobachteten Trainingseinheit und dem ersten Testspiel vom Wochenende konnte ich mir einige interessante Erkenntnisse notieren.


Eindrückliche Beobachtungen

Trainings- und Spielformen

  1. Funiño als einfach umzusetzende und vielversprechende Spielform.

    DFB: Die Spielform Funiño

    Die bekannte Jugendspielform Funiño spielt in unserem Verein und auch in unserem speziellen Trainerteam scheinbar eine große Rolle. In nahezu jeder Trainingseinheit nutzen wir dieses Konzept in der einen oder anderen Form.
    Aus Trainerperspektive erscheint mir dies auch sehr vielversprechend. Mit nur vier kleinen Toren benötigt man wenig Ressourcen und Vorbereitungszeit und hat gleichzeitig zahlreiche Gestaltungs- und Variationsmöglichkeiten (Platzgröße, Torschusszonen, etc.).
    Die Spieler dagegen können auf engem Raum frei und mit Freude aufspielen. Die kleinen Tore belohnen gegnerschlagende Dribblings und kurze Kombinationslösungen. Ohne Ball gilt es, aggressiv und klug zu verteidigen. Zudem schulen die verschiedenen Ziele in allen Spielphasen Um- und Übersicht.
    Daher sehe ich in Funiño auf den ersten Blick großes Potenzial für den Jugendfußball. Ich habe es als Trainingsform notiert, werde mich in Zukunft noch weiter dazu belesen und bin gespannt, welche Möglichkeiten sich daraus zukünftig ergeben können.
  2. Rondo als bedeutendste Trainingsform.

    Genauso wichtig wird, wie ich auch schon aufgrund von Gelesenem erwartet hatte, die Trainingsform Rondo werden. Ebenfalls sehr leicht umzusetzen, lassen sich so unter anderem Körperorientierung, Antizipation und Passtechnik coachen. Noch kenne ich keine Übung, die so einfach und gleichzeitig so vielfältig und lehrreich sein kann.
  3. Sammlung kleiner Technik- und Koordinationsübungen

    Gerade im Jugendbereich gilt es meiner Meinung nach, die Sportler so komplett wie möglich auszubilden. Nicht nur fußballspezifische Aspekte, sondern vor allem allgemeinere Technik-, Koordinations- und Kognitionsübungen sollten im Vordergrund stehen.
    Um dies zu trainieren, wendeten wir im ersten Training einige kleinere und einfach strukturierte Trainingsformen mit Hütchen und Hürden an. Sind das die effektivsten Methoden? Ich weiß es nicht. Ich kenne die Übungen auf jeden Fall, werde mich aber noch einmal intensiv dazu belesen.
  4. Abschlussspiel

    Im Jugendbereich, gerade noch in Kleinfelddimensionen, sollte auch stets der Spaß im Vordergrund der sportlichen Aktivität stehen. Mehr als alles andere verdeutlicht das das Abschlussspiel, was für die Spieler in erster Linie genau das bedeutet. Für die Coaches eröffnet sich so aber auch nochmal die Möglichkeit, sich ein Gesamtbild der Leistungsfähigkeit des Teams zu machen und auf dieser Grundlage detailfokussiert zu coachen.

Übergreifende Erkenntnisse

  1. Tendenziell eher weniger und klare statt mehrere und diffuse Coaching-Punkte.

    In unserer Trainingsgruppe scheinen auf den ersten Blick Aufmerksamkeit und Konzentration einige der größten Herausforderungen zu sein. Grundsätzlich glaube ich, obwohl ich noch keinen Vergleichsrahmen habe, dass das mit Spielern dieses Altersbereiches von acht bis zehn Jahren mehr oder minder Normalität ist. Im Sinne des Spaßes ist in diesem Kontext sicher auch ein gewisser Grad an Lockerheit neben dem Platz wünschenswert. Entscheidend wird für mich in Zukunft aber, durch eine geeignete Ansprache an die Mannschaft eine passende Balance zwischen Spaß und Zielorientierung zu finden. Schon jetzt muss ich mich auf jeden Fall hinsichtlich der fußballerisch-inhaltlichen Aspekte anpassen.
    Die Artikulation der Coaching-Punkte muss direkt, prägnant und pointiert erfolgen. Spricht man all jene Aspekte an, die man im Kopf hat, scheinen mir die Spieler nur sehr wenig mitzunehmen. Formuliert man dies zudem noch unstrukturiert, „redet um den heißen Brei herum“, kommt bei unruhigen und ungeduldigen Jungen und Mädchen nichts an.
    Um die theoretischen Ideen auch an den Mann zu bringen, scheint mir daher diese Thematik von besonderer Relevanz. Denn normalerweise fällt es gerade mir persönlich schwer, meine Gedanken auf den Punkt zu artikulieren. In den ersten Tagen klappte das aber schon überraschenderweise sehr gut. Auf jeden Fall habe ich mir jenes oben stehendes Tendenz-Prinzip notiert, um auch in Zukunft sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.
  2. Die Coaching-Anforderungen müssen an die individuellen Kontexte der Spieler angepasst werden.

    Bei der Beurteilung der sportlichen Leistungen der Kinder gilt es daran anschließend, nie den Perspektivwechsel zu vergessen. Jeder Spieler ist eigen, bringt seine persönliche Geschichte mit; der Trainer sollte versuchen, diese für sich nachzuvollziehen. Daraus ergeben sich schon im Allgemeinen unterschiedliche Anforderungslevel für jedes Individuum, die ich beachten muss.
    Doch auch im Speziellen muss man den situativen Kontext beachten. Meine erste Trainingswoche fand beispielsweise in den Herbstferien statt. Viele der Jungs verbrachten die Vormittage im vereinseigenen Fußballtrainingslager und fühlten sich daraufhin im Training nicht so fit wie sonst. Ich fand es sofort bemerkenswert, wie unser Trainer diese Anstrengung von besonderem Level positiv hervorhob anstatt noch mehr von den Jungs zu verlangen.
    Hier lässt sich ein interessanter Querverweis zur Trainingswissenschaft ziehen. Ein grundlegendes Prinzip des Feldes beschreibt beispielsweise das Verhältnis aus Belastung und Beanspruchung als äußerst dynamisch und komplex. Dabei ist mit Belastung der jeweilige Trainingsreiz gemeint, der allerdings nicht jeden Trainierenden gleich beansprucht. Sowohl intra- als auch interindividuell kann der physiologische und psychologische Stress aufgrund eines Trainingsreizes unterschiedlich empfunden werden. Das gilt es, zukünftig im Hinterkopf zu behalten.
  3. Die Bedeutung sozialer Anerkennung und Lob.

    Als Trainer sind wir auch in der Verantwortung, gesamtheitlich mit den Kindern umzugehen. Unser Aufgaben- und Einflussbereich geht weit über den Fußball hinaus. So gilt es beispielsweise auch, die soziale und emotionale Ebene zu bespielen.
    Gerade in Kollektiven mit Kindern dieses Alters scheinen mir die sozialen Beziehungen mit nicht zu unterschätzendem kurzfristigen Konfliktpotenzial und Dynamik ausgestattet. In den ersten Tagen fiel mir zum Beispiel sofort ein Junge auf, der sich häufig von einigen seiner extrovertierteren Mitspieler ärgern ließ und sich in diesem Zuge schnell kurzfristig traurig zu fühlen schien.
    Unser Coach erkannte diese vermeintliche Stimmung und lobte den Jungen sofort bei der nächsten Übung ausdrücklich, namentlich und vor der gesamten Gruppe. Das folgende Lächeln verdeutlichte gleich, wie wichtig das war. Dies war eine weitere Situation, die mir positiv auffiel und gleich im Kopf blieb. So muss es laufen!

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